Ich bin da altmodisch

126385__vintage-letters-envelopes-postcards-stamps-perfume-brooch_p
Ich mag Briefe. Nein. Eher würde ich behaupten, dass ich sie liebe. Und damit mein ich nicht Briefe, die durch die Tastatur, von fremden Menschen geschrieben wurden, und mich über neuste Angebote informieren sollen. Die Briefe, die mit der Hand geschrieben wurden, an denen man die Handschrift der Person erkennen kann. Von der Person, die man liebt, oder einem viel bedeutet. Ich liebe es.

Ich frage mich oft, sehr oft sogar, wieso schreiben wir keine Briefe mehr mit der Hand? Die Antwort, eigentlich Sonnenklar, aber für mich doch nicht annehmbar. E-mails, Whatsapp, Facebook, das alles geht doch viel schneller. In Sekundenschnelle kann man die Nachricht überbringen und bekommt auch ganz schnell die Antwort. Doch, wo ist da die Romantik geblieben? Wenn der Mann, der dich liebt, den du niemals verlieren willst, dir einen Brief schreiben würde, würde dich das nicht viel mehr freuen, als eine Whatsapp Nachricht, in der er dir seine Liebe beteuert? Mich schon. Solch eine Kleinigkeit würde mich, ihn, uns einen Schritt weit nach vorne bringen. So einer wird sich fragen, was erzählt sie denn da? Was ich erzähle? Dass sowas nicht jeder macht. Wirklich nicht. Und wenn doch, dann ist das, meiner Meinung nach, ein Beweis, der davon zeugt, dass sich jemand wirklich mühe gibt, dass es ihm ernst ist. Und das ist wertvoller, als ein Kusssmiley oder ein Herzchen bei Facebook. Aber auch ein Brief von einer Freundin kann einen unglaublich glücklich machen. Wenn sie an die gemeinsamen Zeiten erinnert, wenn sie in eine wunderschöne Zukunft mit dir blickt, wenn sie zeigt, dass sie das Glück dich zu haben, wirklich schätzt, dann ist das etwas, was man nicht aufgeben sollte. Egal ob Beziehung oder eine Freundschaft. Mir bedeutet sowas viel. Viel mehr als einer denkt. Und ich selbst, ich selbst zeige den Menschen, die ich liebe auch dass ich nicht mehr ohne sie leben kann, denn wir sollten nicht nur erwarten sondern auch geben. Und wenn ich könnte, würde ich an euch alle da draußen auch einen Brief schreiben, über jeden Punkt bei I ein Herzchen malen, obwohl das so gar nicht meine Art ist, um euch zu zeigen wie viel mir jeder von euch bedeutet.
Was ich noch mag? Notizbücher. Ja genau, und Kisten, in denen ich Gedanken und Erinnerungen verwahren kann. Denn, diese Welt, die Welt, die man im Internet selbst erstellt, selbst gestalltet ist vergänglich. Ob ich in 40 Jahren immer noch alles im Internet zeigen werde? Ich bezweifle es. Dann in 40 Jahren, werde ich in meinen Notizbüchern lesen, wie schrecklich der Tag im Januar doch war, und lächeln, dass mich solche Kleinigkeiten aufregen konnten.
In die Sterne schauen. Das wollt ich immer schon machen. Mit ihm. Aber vergessen habe ich es schon längst, weil ich wusste, dass sowas niemals passieren würde. Stattdessen, damals, mit meiner Besten Freundin, die es nun nicht mehr ist, an einem Tag, zusammen draußen, Wolken. Blick nach oben während der Kopf tief unten lag. Später. Sterne. Gedanken, so viele. Welche? Nun fragt mich nicht, ich weiß es nicht mehr, vermutlich dieselben, die mich damals jeden Abend beschäftigten.
Aber wem interessieren noch solche Sachen? Ich meine, die meisten verbringen ihre Zeit lieber in einer Kneipe, oder auf einer Party, betrinken sich und tanzen, und das ist auch nicht verkehrt. Man sollte die Jugend genießen, doch sich vielleicht auch mal Zeit für besondere Menschen nehmen, und mit ihnen besondere Erinnerungen schaffen, die man vielleicht sogar noch mit 60 Jahren im Kopf haben wird.
Ich bin da altmodisch. Wirklich. Bei all den Kleinigkeiten, die mir so viel bedeuten. Aber wenn es um Menschen und Erinnerungen geht. Ich will es genießen. Jeden Moment. Ich will nichts vergessen. Ich will meinen Enkeln erzählen können, dass es noch Magie auf dieser Welt voller Chaos gibt. Magie, die jeder ins Leben rufen kann.

Advertisements

2 Gedanken zu “Ich bin da altmodisch

  1. Briefe kann man noch nach Jahren hervorholen und lesen. Vielleicht denkt man anders über das Geschriebene als noch beim ersten Mal, vielleicht auch nicht, oder es bekommt eine andere Bedeutung nach so vielen Jahren.
    Die Handschrift sagt viel über eine Person aus, wie es ihr zu diesem Zeitpunkt ging. Hatte sie es eilig noch die letzte Notiz hinzuschreiben weil es ihr so wichtig war? Welches Papier wurde benutzt und finden sich auf der einen oder anderen Seite sogar eigene Verzierungen?

    Vielen Dank für diese Gedanken zum Briefeschreiben, spricht mir aus der Seele.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s